BUND Klimaschutz

Hitzewelle und Lebensmittelpreise - Dürreperioden weltweit

Berlin, 30. August 2006

Die Verbraucher müssen sich in den nächsten Wochen auf steigende Lebensmittelpreise einstellen. Eine Hauptursache dafür sei die lange Hitzeperiode im Juli und dadurch bedingte Ernteausfälle, so die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie.

Allerdings sind die Folgen von Dürren in Entwicklungsländern viel dramatischer: 790 Millionen Menschen litten am Ende des 20. Jahrhunderts an Hunger. Die Erderwärmung erhöht die Zahl der Notleidenden zusätzlich: Weitere 80 bis 100 Millionen Menschen sind weltweit durch Dürren, Fluten und andere Auswirkungen des Klimawandels von Hunger bedroht. Die meisten von ihnen leben in Afrika.



Quelle: IRIN


Im Januar 2006 warnte das UN-Welternährungsprogramm (WFP) vor einer humanitären Katastrophe am Horn von Afrika. Laut WFP waren 1,2 Millionen Menschen in den östlichen und nordöstlichen Landesteilen betroffen, insgesamt 2,5 Millionen Kenianer galten als gefährdet. Darüber hinaus gab es in den angrenzenden Regionen Äthiopiens und Somalias weitere 3 Millionen Bedürftige (taz, 11.01.2006).

Auslöser für den Notstand in Ostafrika waren erneut die ungewöhnlich spärlichen Regenfälle des Vorjahres. Die Niederschläge im Frühjahr und Herbst 2005 waren bereits zum fünften Mal in Folge erheblich geringer ausgefallen oder ganz ausgeblieben (WFP). In manchen Regionen Somalias fielen nur 20 Prozent der ehemals normalen Regenfälle, dem Land stand daher die schlechteste Ernte seit zehn Jahren bevor: UN-Angaben zufolge konnten nur 44 Prozent der normalen Sorghum- und Maisernte eingebracht werden. Nomadische Viehzüchter fanden kaum noch Weideland für ihr Vieh (Diakonie).

Zwar gehört die Region schon lange zu den trockensten und unwirtlichsten der Erde. Die Menschen – viele von ihnen sind Nomaden – haben mit den harten Bedingungen zu leben gelernt, sie kennen jedes Wasserloch und finden für ihre Rinder- und Ziegenherden die wenigen Weidegründe. Doch ihre Lage hat sich kontinuierlich verschlechtert: Die durchschnittlichen Niederschläge sind in den letzten 30 Jahren um ein Viertel zurückgegangen (New Economics Foundation 2004).

Auch im südlichen Afrika fällt immer weniger Niederschlag, ein seit 50 Jahren anhaltender Trend, den die Trockenperioden der letzten fünf Jahre noch verstärkten. Es scheint sicher, dass er sich fortsetzen wird. Grund: Der Indische Ozean wird rasch wärmer. Gleichzeitig wird die Luft über dem angrenzenden afrikanischen Festland trockener. Für 2050 werden in der Regenzeit im Frühling bis zu 20 Prozent weniger Niederschläge erwartet, als in den vergangenen 50 Jahren. Daher wird davon ausgegangen, dass sich die Zahl der von Wasserknappheit betroffenen afrikanischen Länder vervielfachen wird, von derzeit 14 auf 25 im Jahr 2030. (New Economics Foundation 2005).

Bereits jetzt sind die Auswirkungen der Erwärmung für die Menschen im Süden und Osten Afrikas katastrophal. Aus einer Dürre in den Jahren 2002/2003 im südlichen Afrika erwuchs ein Defizit von 3,3 Millionen Tonnen Lebensmitteln. Gut 14 Millionen Menschen, also mehr als es Einwohner in Bayern gibt, waren von internationalen Hilfslieferungen abhängig. Mosambik war 2001 von einer gewaltigen Flut betroffen – und mit ihr kam der Hunger: Landwirtschaftliche Nutzflächen von der Größe Deutschlands waren zerstört.

Gravierende Ernteschäden und Lebensmittelknappheit gehen außerdem aus der verstärkten Vermehrung von Schädlingen einher, die durch höhere Temperaturen und dem verstärkten Wasseraufkommen nach starken Niederschlägen begünstigt wird. So entwickelten sich 2004 unkontrollierbare Populationen von Heuschrecken, die in Westafrika die Ernten und damit die Lebensgrundlage der Bauern unter das in der Sahelzone nötige Minimum an Nahrungsmitteln dezimierten.

Die Lebensmittelversorgung der Menschen in Afrika fußt auf kleinbäuerlichen Strukturen, sie stellen die Existenzgrundlage für 70 Prozent der afrikanischen Erwerbsbevölkerung dar. Die kleinen Höfe werden meist ohne zusätzliche Bewässerungssysteme bewirtschaftet und sind somit sehr stark von direktem Regeneinfall abhängig. Das macht sie anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels.

Weitere Informationen:

New Economics Foundation 2005: Africa - Up in Smoke? The second report from the Working Group on Climate Change and Development


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