BUND Klimaschutz

BoA-Kraftwerk blockiert Klimaschutz

Gemeinsam mit dem Aktionsbündnis „Zukunft statt Braunkohle“ hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am 23. August in Grevenbroich-Neurath gegen die Grundsteinlegung für das Braunkohlenkraftwerk mit so genannter optimierter Anlagentechnik (BoA) durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers protestiert. Dort entsteht das größte Klimakiller-Kraftwerk Deutschlands. Zukünftig wird RWE in Neurath insgesamt jährlich mehr als 34 Mio. t Kohlendioxid ausstoßen und Nordrhein-Westfalen für weitere 40 Jahre Schlusslicht in Sachen Klimaschutz bleiben. Allein das vermeintlich hochmoderne BoA-Kraftwerk stößt stündlich 1.800 t Kohlendioxid aus - und das für 40 Jahre.


Foto: BUND NRW


Mit der Grundsteinlegung für das neue Braunkohlenkraftwerk setzen Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Rüttgers ein völlig falsches Signal für eine Energiepolitik von gestern, gegen den Klimaschutz und gegen Mensch und Natur in einer von der Braunkohle-Nutzung seit Jahrzehnten geplagten Region. Das Label „Braunkohlenkraftwerk mit optimierter Anlagentechnik“ (BoA) ist dabei nichts weiter als ein Feigenblatt zur Verschleierung der gravierenden energiewirtschaftlichen und ökologischen Nachteile dieser antiquierten Form der Stromerzeugung. Ein Skandal ist, dass dieser klimaschutzpolitische Wahnsinn auch noch mit Milliarden Euro indirekter Subventionen durch die Bundesregierung gefördert wird. Nur durch die kostenlose Zuteilung von Emissionsrechten für 18 Jahre wird der Bau dieses Klimakiller-Kraftwerks lukrativ.

Trotz BoA bleibt Braunkohle der klimaschädlichste aller Energieträger: Allein das Neurather
BoA-Kraftwerk würde im Regelbetrieb stündlich mindestens 1.800 Tonnen Kohlendioxid ausstoßen. Pro Jahr wären dies mind. 16 Mio. t, während der geplanten 40jährigen Laufzeit mehr als 640 Mio. t des Klimakillers CO2. Zwar ist die Stromausbeute gegenüber den Altkraftwerken etwas höher, RWE will aber unverändert viel Kohle einsetzen, womit das BoA-Kraftwerk ein „klimaschutzpolitisches Nullsummenspiel“ ist. Dazu weigert sich die RWE Power AG beharrlich, Altkraftwerke stillzulegen. Seit Inbetriebnahme des 950 MW-BoA-Kraftwerks Niederaußem (2002) wurde so lediglich ein 150-MW-Block in Frimmersdorf vom Netz genommen.


Trotz BoA schafft Braunkohle keine neuen Arbeitsplätze:
Allein im letzten Jahrzehnt hat RWE Power die Zahl der Arbeitsplätze in den Tagebauen und Kraftwerken des Rheinlands auf heute 8.477 mehr als halbiert (Stand 31.12.2005). Dem gegenüber erwirtschafteten in Nordrhein-
Westfalen die Hersteller regenerativer Anlagen und Systeme rund 3,5 Milliarden Euro Umsatz in 2005. Über 15.000 Menschen arbeiten in NRW derzeit in der jungen Branche; bundesweit waren es insgesamt 170.000 Arbeitsplätze im Jahr 2005. Und auch der Bau von effizienten Gaskraftwerken wie der des GuD-Kraftwerks in Hürth sichert ebenso Arbeitsplätze im Anlagenbau, wie Energiespartechnologien neue Arbeitsplätze schaffen.

BoA-Kraftwerke vernichten Lebensraum:
Der Großteil der Kohle für das BoA-Kraftwerk Neurath soll aus dem 48 qkm großen Tagebau Garzweiler II kommen. Hierfür sollen insgesamt 7.600 Menschen umgesiedelt werden. Die Gewinnung der Braunkohle ist dazu mit irreversiblen Folgen für die Natur und den Gewässerhaushalt verbunden. Aber auch der Kraftwerksbau selbst vernichtet wertvolle Habitate: Die 85 ha Kraftwerksareal waren bis zu dessen Zerstörung ein Lebensraum des vom Aussterben bedrohten, vom europäischen und deutschen Naturschutzrecht streng geschützten Feldhamsters (Cricetus cricetus). Durch die Einleitung von Kühlwasser in Erft wird dieser Fluss dauerhaft tropenähnliche Temperaturen aufweisen; heimische Flora und Fauna wird verdrängt.



Braunkohle torpediert den Klimaschutz


Auch BoA-Kraftwerke sind Dreckschleudern:
Die vier RWE-Kraftwerke in Frimmersdorf, Neurath,Niederaußem und Weisweiler stoßen jährlich neben 90 Mio. t Kohlendioxid z.B. auch 2.200 t Feinstaub (PM10) und 860 kg Quecksilber aus. Trotzdem weigert sich die RWE Power AG, zumindest im BoA-Kraftwerk Neurath die modernste (Gewebe-) Filtertechnik zu installieren. Dabei tragen Tagebaue und Kraftwerke schon jetzt erheblich dazu bei, dass z.B. die Feinstaub-Grenzwerte nicht eingehalten werden können. Unterm Strich wird mit dem Bau des BoA-Kraftwerks Neurath die bisherige, das Klima und die Umwelt schädigende Energiepolitik für weitere 40 Jahre zementiert. Der dringend notwendige Ausbau effizienter Energiespartechnologien und Erneuerbarer Energien erleidet durch diese 2,2 Mrd.-Euro-Fehlinvestition einen herben Rückschlag. . Das Kraftwerk ist das erste von bundesweit mindestens 12 geplanten neuen Kohlekraftwerken. Mit deren Realisierung würde sich Deutschland endgültig vom Klimaschutz verabschieden.


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