BUND Regionalverband Stuttgart




Stuttgart ist voll - Diätplan gegen Landschaftsverbrauch

"Es darf nicht das Ziel der Stadtplanung in Stuttgart sein, die Nachfrage nach Bauplätzen für größere Eigenheime zu stillen", so kommentiert Dr. Dietmar Reinborn, Vorsitzender des BUND Regionalverband Stuttgart, die zunehmenden Klagen, dass in Stuttgart zuwenig Baugrundstücke für private Häuslesbauer zur Verfügung stehen. Die Bodenfläche der Stadt ist jetzt schon zur Hälfte mit Verkehrs- und Siedlungsflächen belegt. Ein Viertel der Gemarkung wird vom Wald eingenommen, der bisher noch als Tabufläche galt. Doch selbst hier droht ein Tabubruch, siehe die aktuellen Pläne der Gewerbegebiet-Erweiterung beim Fasanenhof. Außerdem werden bereits jetzt ökologisch wertvolle Streuobstgebiete, wie die Lauchäcker in Stuttgart-Vaihingen, durch Neubebauung zerstört.
"Sollte nun auch noch das letzte Viertel Freiflächen, das überwiegend als Landwirtschaftsfläche genutzt wird, für eine Bebauung freigegeben werden, erweist sich die Landeshauptstadt damit einen Bärendienst", so Reinborn. " Warum sollten dann noch die viel umworbenen jungen Familien mit ihren Kindern in Stuttgart wohnen, wenn die sogenannten `weichen Standortfaktoren´ nicht mehr stimmen?" Von wegen Wohnen im Grünen - was nützt das schönste freistehende Einfamilienhaus, wenn Frei- und Erholungsflächen drum herum fehlen und der Autoverkehr die Wohngebiete verlärmt?
Aufgrund der endlichen Ressource Boden ist besonders in einem Ballungsraum das freistehende Einfamilienhaus keine zukunftsfähige Wohnform. Insgesamt ist die Umnutzung von Landschaft zu Siedlung radikal einzuschränken. In der Region Stuttgart werden täglich noch immer knapp zwei Hektar Natur- und Landschaftsfläche für Siedlungs- und Verkehrsflächen verbraucht. Wenn überhaupt, sind Wohnformen mit weniger Quadratmeter-Bedarf gefragt, die eine ansprechender Architektur und einen sehr hohen Grad an Individualität besitzen.
Die vermeintliche Knappheit an Wohnungen und privaten Bauplätzen ist im wesentlichen die Folge der ungebremsten Steigerung des Pro-Kopf-Verbrauchs an Wohnfläche. Um allein diesen "Heißhunger" nach Wohnfläche zu stillen, müssen in Stuttgart nach einer Untersuchung des Städtebau-Instituts Ende der 80er Jahre (Prof. Hecking u.a.) jährlich 800 bis 1000 Wohnungen gebaut werden. Das nur um die Einwohnerzahl in gleicher Höhe zu halten. "Stuttgart braucht keine neuen großen Baugebiete, sondern einen radikalen ´Diätplan´ gegen Landschaftsverbrauch," folgert Reinborn.

Pressemitteilung vom 22.04.2002




Gerhard Pfeifer
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